In einem ausführlichen Gespräch mit Prof. Dr. Lorz brachten die Verbandsspitzen ihre Argumente für eine inhaltliche Erweiterung des Bildungsangebotes in Schulen vor

Die Forderungen

  • Hauswirtschaftliche Kompetenzen sind grundlegende Lebenskompetenzen. Als solche erfordern sie Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Dazu gehören zwingend auch die Anerkennung der grundlegenden Bedeutung hauswirtschaftlicher Fachkompetenzen und die Wertschätzung hauswirtschaftlicher Berufe.

  • Diese grundlegenden Lebenskompetenzen – Alltagskompetenzen – müssen Kindern und Jugendlichen von klein auf vermittelt werden.

  • Für die nachhaltige Vermittlung dieser hauswirtschaftlichen Kompetenzen ist die Einführung eines eigenständigen Schulfaches in den allgemeinbildenden Schulen erforderlich. 

  • Voraussetzung dafür ist nicht zuletzt auch die Aus‐ und Weiterbildung von Fachkräften / Lehrkräften, die dieses Fach unterrichten.

Der Haushalt als kleinste ökonomische Einheit

Haushalte stellen eine wichtige Instanz im gesellschaftlichen Gefüge unseres Landes dar. Hier werden die Weichen gestellt, u.a. für die Reproduktion der Arbeitskraft, der Ernährung, Versorgung und Erziehung von Kindern. Hier wird über den Konsum der Haushaltsmitglieder entschieden und die Geldströme gelenkt.

In Gesprächen mit Lehrerinnen und Lehrern, wird immer wieder auf die Missstände hingewiesen, dass Schülerinnen und Schüler ohne Frühstück zur Schule kommen und auch keine Pausenbrote und –getränke  von Zuhause mit bekommen. Vielfach fehlt das Wissen über eine gesunde Ernährung und in immer weniger Familien wird Wert auf gemeinsame Mahlzeiten und gemeinsames Kochen gelegt. Die Verarbeitung (regionaler) Lebensmittel ist nicht bekannt, die Werbung gibt vor, was gesund ist. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen steigt durch fehlende Finanzkompetenz, Altersarmut droht durch mangelnde Vorsorge als Folge von   fehlender Finanzkompetenz. 

Welcher gesellschaftliche Schaden entsteht, wird immer deutlicher.

Die Folgen der Bildungsreformen

Das Herausnehmen der hauswirtschaftlichen Bildung gegen Ende der 1970er Jahre führte bis heute zu einem erheblichen Kompetenzverlust der Menschen bei der alltäglichen Lebensbewältigung. Familien sind zunehmend durch Erziehungs- und Betreuungsaufgaben überfordert und müssen durch dafür geschaffene Institutionen unterstützt werden. Die Kosten für diese Fehlentwicklungen verursachen überpro­portional steigende Sozialausgaben und lassen die Haushaltspläne der Kommunen  an ihre Grenzen stoßen. Die sozialen Sicherungssysteme werden stark belastet und führen zu volkswirtschaftlichem Schaden.

Die elementare Alltagsgestaltung und -bewältigung darf nicht noch mehr Sache des Staates und der Gesellschaft werden. Eigenverantwortung und Eigeninitiative des Einzelnen müssen gestärkt werden. Dafür müssen passende Rahmenbedingungen neu überlegt werden.

Hauswirtschaftliche Kompetenz als Kernkompetenz des gesellschaftlichen Lebens

Es ist absolut notwendig, die Bedeutung der haushälterischen Leistungen in Familie und Gesellschaft wieder anzuerkennen und alle Voraussetzungen dafür zu schaffen sie wieder zu lernen. Es gibt einfach zu viele Menschen, die diese elementaren Aufgaben nicht bewältigen können und damit überfordert sind.

Es gibt sehr gute vielfältige Projekte, die mit großem finanziellen Aufwand erarbeitet, und mit finanzieller Unterstützung durch öffentliche Gelder an die Zielgruppen angetragen werden. Leider bedeutet ein Auslaufen von Projektgeldern auch das Ende eines jeden Projektes.

Früh einsetzende hauswirtschaftliche Bildung kann hier im Sinne einer Prävention der negativen Entwicklung entgegenwirken. Eine „Moderne Hauswirtschaft“ mit ihren zunehmenden Anforderungen erfordert eine spezifische Bildung zur Gestaltung der eigenen Lebensbiographie von Menschen in den Haushalten sowie deren Mitwirkung an der Gestaltung der Gesellschaft.

Das Engagement der Verbände

Deshalb fordern alle hauswirtschaftlichen Verbände, dass hauswirtschaftliche Bildung wieder als wichtige Grundbildung  verstanden wird und als eigenständiges Pflichtfach an allgemein bildenden Schulen wieder eingeführt werden muss.

Voraussetzung dafür ist nicht zuletzt auch  die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften und Lehrkräften, die dieses Fach unterrichten.

Junge Menschen, sind für unsere Gesellschaft Arbeitskraft, Steuerzahler, Rentenfinanzierer und Innovationspotential zugleich. Wir werden uns aktiv für die Umsetzung unserer Forderungen einsetzen. Denn nur so kann für die nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Zukunft sichergestellt werden.